Pressekritik | Schriefl/Haurand/Mössinger 2014

Schriefl/Haurand/Mössinger beim Jazzkongress Freiburg

Badische Zeitung 21.Nov.2014

Wenn der Chef selbst spielt, ist stets Spannung angesagt. Hatte der dem Freiburger Jazzkongress vorstehende Johannes Mössinger sich bislang im New York Quartet und auch solo am Piano vorgestellt, so setzte er jetzt auf zwei neue musikalische Partner. Die Premiere mit Matthias Schriefl und Ali Haurand verlief vielversprechend. Drei Generationen haben sich zu diesem ungewöhnlichen Trio zusammengefunden, um den Jazz mit neuen Facetten zu versehen – ohne ihn freilich auf den Kopf zu stellen. Allen postmodernen Idiomen zum Trotz. Dies gelang mit individuell gestrickten Soli und kollektiv wirkenden Ausgestaltungen von Eigen- und zwei Fremdkompositionen. Mit Swing allein war es nicht getan, Blues und Bebop waren ebenso Bezugspunkte wie frisch formulierte Improvisationen aus dem Augenblick.

Von Anfang an verstanden sich die drei Interpreten prächtig, steigerten sich im Verlauf des über zweistündigen Konzertes zu kollektivem Interplay, Glanzstück jeder Jazz-Darbietung. Anfängliches Abtasten und vorsichtiges Agieren verschwinden hinter unbändiger Spielfreude. Mit ostinaten Bassfiguren treibt Ali Haurand, gerade 71 geworden, allseits an, ein technisch versierter Solist wie stilsicherer Begleiter. Matthias Schriefl, mit 33 Jahren der Jüngste im Bunde der drei Musiker, ist auf Flügelhorn und Trompete ebenso bestechend wie auf dem Alphorn, dessen Naturtöne er durch mehrstimmiges Spiel immer wieder zum Tanzen bringt. Johannes Mössinger schließlich bietet auf dem Klavier gewohnte Klasse. Mit rollenden Akkorden und bluesigen Spitzen sind seine Soli gespickt. Auf „Joanna’s Dance“ verfehlen sie nicht ihre magische Wirkung und hinterlassen ein begeistertes Publikum im „Schützen“.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.