Pressekritik | Schorer/Mössinger „Playing“ 2015

Das Duo Schorer/Mössinger im Donaueschinger Strawinsky-Saal

Südkurier 15.Dez.2015

Schwarzwald-Baar-Kreis Konzertanter Jazz von brillantem Zuschnitt –
Pianist Johannes Mössinger und Schlagzeuger Jochen Schorer bieten in Donaueschingen Auftritt voller intensiver Energie

Erst vor ein paar Jahren haben sie als Musiker zusammengefunden und nennen sich schlicht Duo Playing: der in Deutschland und den USA gerühmte Jazzpianist Johannes Mössinger und der ungemein vielseitige Schlagzeuger Jochen Schorer. Mit einer glänzenden Performance haben sie im Donaueschinger Strawinsky-Saal mit rund einem Dutzend Kompositionen von Mössinger mehr als 100 Konzertbesucher begeistert. Obwohl Mössinger sich ausschließlich auf dem Gebiet des Jazz bewegt, Schorer hingegen als Erster Schlagzeuger des SWR-Sinfonieorchesters und Professor an der Musikhochschule Nürnberg in der Hauptsache mit klassischer oder Zeitgenössischer Musik befasst ist, verstehen es die beiden, sich als absolut nahtlose Einheit zu präsentieren. Das gilt nicht nur im Hinblick auf ihren stupenden technischen Einsatz am Flügel beziehungsweise an Vibrafon und Marimbafon, sondern bei den einzelnen Stücken auch auf die rhythmische oder dynamische Ausgestaltung, die jedes Mal den Charakter einer energiegeladenen Symbiose hat.

Diese Qualitäten zeigen sich schon bald etwa in dem Stück „Spring in Versailles“ für Marimbafon und Klavier. Schorer, der durchgängig mit vier Schlägeln spielt, zeigt schon bei den Wirbelbewegungen in der linken Hand und der melodisch agierenden rechten, wie er höchste Präzision und bewundernswerte Lockerheit in seiner souveränen Schlagtechnik zu vereinen vermag. Zudem vermittelt er – wie den ganzen Abend über – als Musikerpersönlichkeit den Eindruck eines geistig stets präsenten freundlichen Stoikers, den keine Schwierigkeit je aus der Fassung bringen kann.

Auch Mössinger ist ein virtuoser Techniker erster Güte. Man merkt ihm kaum eine Anstrengung an, obwohl er über zwei Stunden lang immer wieder ein Tempo vorlegt, bei dem man annehmen muss, er würde irgendwann ermüden oder unsauber werden – weit gefehlt. Es ist faszinierend, wie er zum Beispiel in der Versailles-Komposition zu rasenden Läufen seiner rechten Hand in der linken völlig unabhängig eine freie Rhythmik pflegt.

Im Duo entwickeln die beiden Musiker stellenweise flirrende Klangfarben, dialogisieren auf ihre instrumentale Art wie selbstverständlich, haben immer deckungsgleiche Vorstellungen von flexiblen Tempi und setzen mit bravourös hingelegten Parallelen einen fulminanten Schlusspunkt.

Mössinger und Schorer breiten den ganzen Reichtum anspruchsvoller Jazzmusik aus. In „Sudden Change“ für Klavier und Vibrafon wandern sie sicher schreitend durch ein Gestrüpp unterschiedlicher Tonarten, sowohl das Vibrafon wie auch das Piano pflegen das improvisatorische Moment, spielen als Künstler ihre Individualität aus, ohne den Partner zu überhören, und entlassen sich bei allem gegenseitig nie aus dem Swing, dem intimen Verhältnis zu den organischen Ausdrucksformen der musikalischen Zeit. Mössinger und Schorer verstehen sich bestens, kreative Unruhe und Transparenz, musikalische Freiheit und spielerische Unbeirrtheit sind für sie keine Gegensätze. Dem Crossover tragen sie schließlich mit einer verrückten Zugabe Rechnung: einer famos irritierenden Interpretation einer der zweistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.